Thun kund und fügen hiemit zu wissen,
daß Wir aus Christ Königl.
Erbarmen und hertzlichem Mitleiden gegen
Unsere in dem Ertz Bischoffthum Saltzburg auf das hefftigste bedrängte und verfolgte
Evangelische Glaubens Verwandte,
da dieselbe bloß und allein um ihres GlaubensWillen,
und weilen Sie demselben wider besseres
Wissen und Gewissen abzusagen sich nicht entschliessen können noch wollen,
Ihr Vaterland zu verlassen gezwungen werden,  
Ihnen die hülffliche und mildreiche Hand zu bieten,
und zu solchem Ende Dieselbe in Unsere Lande aufzunehmen, und in gewissen Aemtern
Unsers Königreichs Preussen, unterzubringen und zu versorgen Uns resolviret haben.
Weßhalb dann auch nicht nur an des Herrn Ertz Bischoffs zu Saltzburg Lbdn.
durch die von Unserm zu Regensburg subsistirenden Gesandten
Dero dortigen Comitial - Ministro gethane diensame Vorstellung,
Unser freundliches Suchen ergangen, daß diesen Dero emigrirenden Unterthanen,
welche Wir,
so viel deren nach Unserm Landen sich zu begeben gewillet und Vorhabens sind,
als Unsere nechst künfftige Unterthanen considieriren und ansehen,
zu einem sowohl ungehindert  als ungedrungenen Abzug die Pässe frey geöffnet,
auch Ihrer Haabseeligkeiten wegen, Reichs Constitutions mäßig verfahren werden möge,
als welches Wir Unseren Unterthanen Römisch Catholischer Religion
hinwiederum ersprießlich angedeyhen zu lassen geneigt sind;
Sondern Wir ersuchen auch alle Churfürsten, Fürsten und Stände des Reichs,
deren Lande durch besagte Emigranten werden berühret werden müssen, Dieselbe frey,
sicher und ohnaufgehalten passiren,
Ihnen auch zu Fortsetzung Ihrer mühseeligen Reise dasjenige,
was ein Christ dem andern schuldig, erweisen zu lassen, geruhen;
Gestalt Wir solches bey allen sich dazu findenden Gelegenheit danckbarlich
zu erwiedern willigund bereit sind;
Übrigens aber offterwehnten nach Unseren Landen gehenden
Saltzburger Emigranten hierdurch die gnädigste Versicherung ertheilen,
daß Denselben zu Regensburg, wie auch folgends in Unserer Stadt Halle,
und so Weiter durch Unseren zu Ihrer Führung abgeordneten Commissarium,
die ordinaire Diäten gleich anderen,
nach Unseren Preußischen Landen vorhin abgegangenen Colonisten, nemlich vor einen
Mann täglich hiesigen Geldes Vier Groschen (oder Funffzehn Kreutzer)
vor eine Frau oder Magd Drey Groschen, (oder Eilff Kreutzer, einen Pfenning)
und vor ein Kind Zwey Groschen, (oder Sieben und ein halben Kreutzer) gereichet,
Ihnen auch bey Ihrer Etablirung in Preussen,
alle diejenige Freyheiten, Privilegia, Rechte und Gerechtigkeiten, welche anderen
Colonisten daselbst competiren und zustehen, ebenfalls zu gute kommen sollen.
Daferne auch wieder alles bessere Erwarten Sie an dem Abzuge verhindert, oder auch,
daß Sie an Ihrem hinterlassenen Vermögen verkürtzet oder beeinträchtiget,
und des vollständigen Genusses derer Friedens Schluß
mäßigen Beneficiorum widerrechtlich priviret werden wolten;
So wollen Wir solches nicht anders,
als wann es Unseren angebohrnen Unterthanen wiederfahren wäre, achten und halten,
und Sie deßfallsdurch die dazu überflüig in Händen habende
Mittel und Wege Schad und Klagoß stellen,
in der gesicherten Hoffnung, es werden alle Evangelische Puissancen,
wo nicht bereits ein gleiches darunter resolviert haben, dennoch Unserem Exempel folgen,
und Uns allenfalls in dieser Sachemit allem behörigen Ernst und Nachdruck,
wenn es dessen bedürfen solte, assistiren und beystehen.
Des zu urkund haben Wir diesen offenen Brief eigenhändig vollzogen,
und mit Unserem Königlichen Insiegel bestärcket, denselben auch zum Druck zu befördern,
und die gedruckte Exemplaria überall,
wo es nöthig, insonderheit aber offt bemeldten Emigranten zu ihrem Schutz
und Consolation auch Versicherung,
zu distribuiren und auszutheilen befohlen.
Berlin den 2. Februar. 1732. Friederich Wilhelm
Translation Courtesy
historisches-franken.de
SALZBURG VERTRIEBENEN PROTESTANTISCHEN EXULANTEN
Preußisches Patent